Donnerstag, 19. November 2015

Kommentar: Erneuerbare Energien kommen auch in Zentralasien in Fahrt

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Gut besucht mit über 100 Teilnehmern aus Unternehmen, Regierungsvertretern und internationalen Organisationen war am 17. und 18. November die SEF 2015 (http://bit.ly/1SYmTOC). Die bedeutende Konferenz für Erneuerbare Energien in Zentralasien wurde dieses Jahr in der früheren Hauptstadt Kasachstans, Almaty, veranstaltet und vom ukrainischen IB-Center organisiert.
Der Vize-Energieminister Kasachstans Bakhytzhan Dzaksaliyev stellte in seiner Rede die Ziele Kasachstans für eine grüne Wirtschaft heraus. Im kommenden Frühjahr wird eine Novelle des existierenden Einspeisegesetzes für Ökostrom im Parlament verabschiedet, wobei wesentlich verbesserte Bedingungen für Investitionen in Ökostrom, vor allem Wind, Solar und Wasserkraft, im Mittelpunkt stehen. Die verbesserten Gesetze werden auch dringend erforderlich sein. Aktuell liegt der Anteil der Erneuerbaren Energien in Kasachstan noch unter 1% der Energieversorgung. Noch dominiert die fossile Wirtschaft das Denken und Handeln der meisten Politiker und Unternehmen. Der Vize-Energieminister beharrte gar auf den angekündigten Neubauplänen für Atomkraftwerke (aktuell hat Kasachstan kein AKW in Betrieb), obwohl ich ihm vorrechnete, dass gerade in Europa und den USA die Atomenergie unwirtschaftlich ist. Auch Kohle sowie Erdöl und Erdgas hält er auf lange Zeit für unverzichtbar, obwohl die hohe Luftverschmutzung, die ich im schon winterlichen Almaty erlebte, hohe Gesundheitskosten verursacht.

Dennoch wird die neue Unterstützung Kasachstans für Erneuerbare Energien im kommenden Jahr erhebliche Investitionen im Ökostromsektor auslösen. Die Ziele der Regierung liegen bei 50% Ökostrom bis 2050, wobei sie die Atomenergie als grüne Energie mitrechnet. Von den vielen Projekten im Solar-, Wind- und Wasserbereich, die schon jetzt unter den aktuellen gesetzlichen Bedingungen laufen, war ich sehr überrascht.

In meiner Keynote stellte ich heraus, dass Nationen, die so fundamental von der Ölwirtschaft abhängig sind, Gefahr laufen, in große wirtschaftliche Schwierigkeiten zu kommen, da die weltweite Tendenz für Klimaschutz und die sinkenden Preise immer mehr Energiekunden zu Erneuerbaren Energien bringen. Gleichzeitig bricht mit den gesunkenen Ölpreisen die ökonomische und finanzielle Basis für die fossile Wirtschaft weg, wie die rasch zunehmende Divestment-Bewegung zeigt. Diese Gefahren sind in Zentralasien den Entscheidungsträgern noch kaum bewusst, weshalb es umso wichtiger ist, dort immer wieder das Gespräch zu suchen, um die Lösung der Erneuerbaren Energien bekannter zu machen.

Die Projektmanagerin der Energy Watch Group, Komila Nabiyeva, gebürtige Usbekin, stellte mit großer Resonanz ihre Studie zur Erneuerbare-Energien-Politik in Zentralasien vor (http://bit.ly/1luM2W0). Investoren stellen viele Nachfragen, um ein Bild zu bekommen, welche politischen und gesellschaftlichen Faktoren bedeutsam für ihre Investitionen in Erneuerbare Energien sind, und um die Sicherheit der geplanten Investitionen besser einschätzen zu können.

Insgesamt gab es auf der SEF 2015 eine positive Aufbruchsstimmung unter den Investoren, in der Erwartung, dass vor allem die Aussagen der Regierung Kasachstans im kommenden Jahr endlich zu verbesserten Investitionsbedingungen in der gesamten Region führen werden.

Almaty (Kasachstan), den 18. November 2015


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