Mittwoch, 11. März 2015

Kommentar: Managerfehler treiben Energiekonzerne in den Ruin

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Nun ist es auch wissenschaftlich bestätigt: Das Festhalten der Energiekonzerne an der alten fossil-atomaren Energiewirtschaft ist eine Hauptursache für deren Finanznöte. So das Ergebnis einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie (http://bit.ly/1ExPXs9).

Gerade die Vorstände vier großen Atomkonzerne E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW haben in Deutschland in den letzten Jahrzehnten durch ihr unbelehrbares Beharren auf ihren alten Geschäftsmodellen den Aktionären und der Umwelt enorm geschadet. Mit Ihren Entscheidungen für Laufzeitverlängerung der AKW und für neue Kohle- und Erdgaskraftwerke haben sie zwar persönlich Millionen von Euro als Boni und Gehalt kassiert, aber gleichzeitig die Konzerne immer tiefer in Richtung Ruin gefahren.

Greenpeace hatte nur die vier großen Stromkonzerne herausgestellt. Doch das dramatische Fehlverhalten gilt auch für andere Unternehmen der Energiebranche: Viele, vor allem größere Stadtwerke haben noch im letzten Jahrzehnt Neubaupläne für Kohle- und Erdgaskraftwerke verwirklicht und stehen nun vor dem Scherbenhaufen unrentabler Kraftwerke. Es ist nicht akzeptabel, der gerade der Verband der kommunalen Unternehmen (VKU) nun die Politik auffordert über Kapazitätsmärkte die Fehlentscheidungen der hochdotierten Vorstände der letzten Jahre auch noch nachträglich mit öffentlichen Geldern zu finanzieren.

Doch diese dramatischen Fehlentscheidungen von Konzernvorständen gibt es auch bei den Technikproduzenten, allen voran Siemens. Als das EEG 2000 in Kraft trat, verkaufte der damalige PV-Weltmarktführer Siemens seine Fotovoltaiksparte. Außer bei Offshore Windenergie hat Siemens bis heute nicht nennenswert im Markt der Erneuerbaren Energien Fuß gefasst. Stattdessen setzte Siemens weiter auf Atomenergie und fossile Kraftwerke und wurde damit zu einem der Hauptverantwortlichen für den Smog in vielen Städten Chinas und anderswo.

Nachdem nun der Weltmarkt für fossile und atomare Großkraftwerke am Einbrechen ist, musste der Konzern kürzlich 7000 Arbeitsplätze streichen. Gerade Siemens gehörte zu den Hauptakteuren, die bis heute politisch gegen das EEG opponierten und für neue Erdgaskraftwerke lobbyierten. Auffällig ist, dass Ministerpräsident Seehofer in Bayern statt Erneuerbarer Energien neue (Siemens?-)Erdgaskraftwerke für die Energiewende einfordert.

Solche fatalen Vorstandsentscheidungen sind aber kein reines deutsches Phänomen. Der französische Atomkonzern Areva hat letztes Jahr sage und schreibe fast 5 Milliarden Euro Verlust eingefahren. Ursache sind vor allem die beiden einzigen Atomneubauprojekte in Europa. Wie lange eigentlich wollen die Aktionäre der Vernichtung ihrer Aktienwerte durch eine unfähige Managergarde mit Denkmustern der alten Energiewelt noch zusehen? Es wird höchste Zeit, dass sie die Versager mit ihren Millionensalärs endlich rauswerfen und eine neue Generation von Vorständen einführen, die auf die Erfolgsgeschichte der Erneuerbaren Energien setzen. Aktienkapital und Umwelt haben beides dringend nötig.

Berlin, den 10. März 2015


Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG

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