Mittwoch, 4. Februar 2015

Geschäftsmodelle für Photovoltaikanlagen nach der EEG-Novelle

● Simon Trockel und Julian Schönbeck, EnergieAgentur NRW ● 

Die direkte Förderung durch das EEG verliert für Betreiber von Photovoltaikanlagen immer mehr an Bedeutung. Geschäftsmodelle wie das Mieterstrom-Modell, die weitestgehend auf die garantierte EEG-Vergütung verzichten, haben sich bereits etabliert. Sie profitierten bisher von Vergünstigungen, die das EEG 2014 jedoch beschnitten oder abgeschafft hat. Die Frage ist, ob solche Modelle künftig für Solarstrombetreiber noch wirtschaftlich sind.

Vor dem Hintergrund der Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2014 sollen zwei in der Vergangenheit attraktive Geschäftsmodelle für die Photovoltaik näher betrachtet werden: Der Eigenverbrauch und die direkte Stromlieferung vor Ort. Beim Eigenverbrauch nutzt der Betreiber die Solaranlage, um seinen Strombezug zu verringern und sich (anteilig) mit selbst erzeugtem Strom zu versorgen. Bei der Stromlieferung vor Ort wird der solare Strom an Dritte in unmittelbarer Nähe vermarktet, etwa durch gezielte Stromlieferverträge mit Gewerbebetrieben oder Mietern. Dabei kann es hier nur um grundsätzliche Einflussparameter auf die mögliche Rentabilität dieser beiden Modelle gehen und keine detaillierte Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ersetzen, die im Rahmen einer Projekt-Planung unerlässlich ist.

Vermiedene Netzstrombezugskosten

Für eine erste, überschlägige Betrachtung müssen die prognostizierten Ausgaben und Einnahmen des Photovoltaik-Projektes ge
genübergestellt werden. Auf der Einnahmenseite stand bis vor einiger Zeit zumeist allein die gesetzliche Vergütung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Vergütung). Jedoch sind die Zeiten, in denen die Wirtschaftlichkeit eines Solarstrom-Projekts allein auf Basis der Einspeisevergütung für die nächsten 20 Jahre ermittelt werden konnte, weitestgehend vorbei. Aufgrund der stark gefallenen Vergütungssätze kommt es heute bei vielen Projekten vielmehr auf einen möglichst großen Anteil selbst verbrauchtem Solarstrom beziehungsweise auf das Vorhandensein attraktiver Direktbelieferungsoptionen an, etwa für Mieter, Gewerbebetriebe oder öffentliche Gebäude.

Sowohl für das Eigenverbrauchs- als auch für das Stromliefermodell ergibt sich die wirtschaftliche Attraktivität also weniger aus der Förderung durch das EEG als vielmehr aus dem Preisvorteil von lokal erzeugtem Solarstrom gegenüber dem Bezug eines Stromproduktes am Markt. Entsprechend hängt die Rentabilität beider Modelle nicht zuletzt stark von der künftigen Entwicklung des individuell zu zahlenden Strompreises des Anlagenbetreibers beziehungsweise des belieferten Endkunden ab.

Die vermiedenen Stromkosten müssen in Beziehung zu den Gestehungskosten des solar erzeugten Stroms, also den über die gesamte Betriebszeit gemittelten Kapital- und Betriebskosten pro Kilowattstunde, gesetzt werden. Das Fraunhofer-Institut ISE gibt die Stromgestehungskosten – mit Stand vom November 2013 – mit etwa zehn bis 14 Cent je Kilowattstunde für Dachanlagen und acht bis 11,5 Cent je Kilowattstunde für Freiflächenanlagen an.

Der wichtigste Einzelposten für die Berechnung der Gestehungskosten des Solarstroms sind die Investitionskosten für die Photovoltaik-Anlage. Für kleinere Anlagen liegen diese momentan bei etwa 1.400 bis 1.600 Euro je Kilowatt Nennleistung. Daneben sind die laufenden Kosten von Bedeutung, die je nach Situation vor Ort fällig werden können. Dazu gehören Versicherungen, Reinigung, Wartungsarbeiten, Messstellenbetrieb und Zählermiete, gegebenenfalls Zins und Tilgung, gegebenenfalls Flächenpacht (wenn keine eigene Immobilie oder Freifläche vorhanden ist) sowie gegebenenfalls Anlagenpacht (wenn die Anlage von einem Investor gepachtet wurde).

Um die Wirtschaftlichkeit sowohl von Eigenverbrauchs- als auch von Stromliefermodellen abschätzen zu können, müssen zusätzlich zu den Gestehungskosten noch die jeweils fälligen Stromnebenkosten mit betrachtet werden. Liegen diese Gesamtkosten unter den Netzstrombezugskosten des Anlagenbetreibers beziehungsweise des zu beliefernden Kunden, steigt die Rendite grundsätzlich mit jeder solar erzeugten Kilowattstunde.

Stromnebenkosten

Unterschiede in d
er Rentabilität der beiden Geschäftsmodelle ergeben sich vor allem aus den jeweils anfallenden Stromnebenkosten. Derzeit enthält der Strompreis grundsätzlich folgende Steuern und Abgaben:
  • Umsatzsteuer (19 Prozent auch auf alle Steuern und Abgaben);
  • EEG-Umlage (2014: 6,24 Cent je Kilowattstunde);
  • Stromsteuer (nach Stromsteuergesetz; 2014: 2,05 Cent/kWh für Haushalte, reduzierte Sätze für Land- und Forstwirtschaft sowie Industrie);
  • Konzessionsabgaben (nach Energiewirtschaftsgesetz und Konzessionsabgabenverordnung; Höhe je nach örtlicher Regelung);
  • Netzentgelte (nach Stromnetzentgeltverordnung; Höhe je nach örtlicher Regelung und Netzanschlussspannung);
  • KWK-Umlage (nach Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz; 2014: 0,178 Cent/kWh);
  • Paragraf-19-Umlage (nach Stromnetzentgeltverordnung; 2014: 0,187 Cent/kWh);
  • Offshore-Haftungsumlage (nach Stromnetzentgeltverordnung; 2014: 0,25 Cent/kWh);
  • Abschaltbare-Lasten-Umlage (nach Verordnung über Vereinbarungen zu abschaltbaren Lasten; 2014: 0,009 Cent/kWh).
Je nach Modell und Projektkonstellation können einzelne Strompreisbestandteile entfallen, wodurch die Wirtschaftlichkeit und auch der bürokratische Aufwand wesentlich beeinflusst werden.

Eigenverbrauchsmodelle

Eine Voraussetzung für das Vorliegen von Eigenverbrauch ist die Personenidentität von Anlagenbetreiber und Stromverbraucher. Diese ist grundsätzlich gegeben, wenn der Stromverbraucher das wirtschaftliche Risiko
des Anlagenbetriebs trägt. Nur wenn Eigentümer, Betreiber und Stromverbraucher die gleiche natürliche oder juristische Person sind, kann Eigenverbrauch vorliegen. Gebietskörperschaften wie Gemeinden oder Kreise können als juristische Personen unter diesen Bedingungen ebenfalls Eigenverbrauch geltend machen.

Auch die Pachtung der Anlage eines externen Eigentümers (Anlagenpachtmodell) schließt das Vorliegen eines Eigenverbrauchsmodells nicht grundsätzlich aus. Diese Variante kommt zum Beispiel bei fehlender Expertise oder fehlendem Investitionskapital eines Betreibers in Betracht. Schließen sich mehrere Akteure zu einer Betreibergesellschaft zusammen oder teilen die Anlage nach Verbrauchsanteilen auf, birgt das Modell jedoch auch rechtliche Risiken, da die Personenidentität und damit das Vorliegen von Eigenverbrauch in diesen Fällen nicht eindeutig geklärt sind. Komplexere Eigenverbrauchskonzepte sollten daher im Vorfeld eng mit dem Übertragungsnetzbetreiber abgestimmt und die genaue Vertragsgestaltung juristisch geprüft werden.

In der Vergangenheit lag auch dann ein Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Strom vor, wenn zwar für den Transport ein öffentliches Netz genutzt wurde, der Verbrauch aber im räumlichen Zusammenhang zur Stromerzeugungsanlage geschah. Seit Inkrafttreten des EEG 2014 kann Eigenverbrauch für Neuanlagen nur noch dann geltend gemacht werden, wenn der Strom im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang selbst verbraucht und nicht durch ein Netz der allgemeinen Versorgung geleitet wird. Direkte Eigenversorgung in diesem engen Sinne meint daher in Zukunft nur noch einen Verbrauch im selben Gebäude (Hausnetz) oder gegebenenfalls noch über eine (kurze) Direktleitung. Typische Dachanlagen auf Einfamilienhäusern sind von der Eigenverbrauchsregelung daher auch künftig nicht betroffen.

Nicht nur wurde die rechtliche Definition von Eigenverbrauch verschärft, auch die damit verbundenen finanziellen Privilegien wurden reduziert. So ist seit dem 1. August 2014 bei Neuanlagen auch für selbst erzeugten und verbrauchten Strom die EEG-Umlage zumindest anteilig zu zahlen. Bis Ende 2015 sind das zunächst 30 Prozent der jeweils gültigen Umlage, bis Ende 2016 dann 35 Prozent und von 2017 an 40 Prozent. Allerdings sind für Anlagen mit einer Leistung unter zehn Kilowatt bis zu zehn Megawattstunden Eigenverbrauch pro Jahr von der Umlage befreit. Typische Photovoltaik-Dachanlagen auf Einfamilienhäusern sind von der Eigenverbrauchsregelung daher auch künftig nicht betroffen.

Alle Neuanlagen, die nicht unter die Bagatellgrenze fallen, mussten 2014 knapp 1,9 Cent je Kilowattstunde (= 30 Prozent von 6,24 Cent je Kilowattstunde) zusätzlich zahlen, wodurch sich der finanzielle Vorteil von eigenverbrauchtem Solarstrom gegenüber dem Bezug von Strom aus dem öffentlichen Netz verringerte. Je nachdem, wie groß der geplante Eigenverbrauchsanteil ist, kann diese Regelung erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit von Projekten haben.

Wird der Strom der Anlage – entsprechend der Definition des EEG 2014 – ohne Nutzung eines öffentlichen Netzes verbraucht, können allerdings nach wie vor Netznutzungsentgelte, an die Netznutzung gekoppelte Abgaben und Konzessionsabgaben vermieden werden. Dadurch ergeben sich weiterhin wirtschaftliche Vorteile des direkten Eigenverbrauchs gegenüber dem Stromnetzbezug.

Wird der eigenverbrauchte Strom hingegen über ein Netz der öffentlichen Versorgung transportiert, fallen in Zukunft die volle EEG-Umlage sowie die Stromnebenkosten grundsätzlich an. Außerdem wird in diesem Fall zusätzlich die Stromsteuer fällig. Nur ausnahmsweise kann Strom, der durch ein öffentliches Netz geleitet wird, nach dem Stromsteuergesetz von der Stromsteuer befreit sein, wenn er in Anlagen mit einer elektrischen Nennleistung von bis zu zwei Megawatt erzeugt wird und vom Betreiber der Anlage als Eigenerzeuger im räumlichen Zusammenhang zu der Anlage zum Selbstverbrauch entnommen wird oder von demjenigen, der die Anlage betreibt oder betreiben lässt, an Letztverbraucher geleistet wird, die den Strom im räumlichen Zusammenhang zu der Anlage entnehmen.

Wann eine räumliche Nähe als gegeben angesehen werden kann, ergibt sich nicht aus dem Gesetz. Der Bundesfinanzhof hat in einem Urteil aus 2004 klargestellt, dass es sich um eine Einzelfallentscheidung handelt. Die Voraussetzungen sind aber dem Urteil nach beispielswiese erfüllt, wenn sichergestellt ist, dass der Strom ausschließlich an Abnahmestellen im Umkreis von 4,5 Kilometern zur Anlage geliefert wird.


Tabelle 1: Strompreisbestandteile Eigenverbrauchsmodell

Stromliefermodelle

Auch bei der Stromlieferung ist die Gleichzeitigkeit von Erzeugung und Verbrauch entscheidend für die wirtschaftliche Attraktivität der Investition. Daher ist es von Vorteil, Endkunden
beliefern zu können, deren Lastprofil geeignet ist, auch den in den Mittagsstunden erzeugten Solarstrom komplett abzunehmen, so dass die ansonsten notwendige (und unter Umständen unrentablere) Einspeisung von Überschussstrom möglichst vermieden wird.

Zu berücksichtigen ist, dass der Betreiber in diesem Modell zu einem Elektrizitätsversorgungsunternehmen gemäß Paragraf 3 des EEG sowie Energieversorgungsunternehmen gemäß Paragraf 3 des Energiewirtschaftsgesetzes wird, da er den solar erzeugten Strom an einen Letztverbraucher liefert. Damit verbunden sind rechtliche Verpflichtungen und ein größerer bürokratischer Aufwand als beim Eigenverbrauch.

Die bisherigen Regelungen des EEG zur Direktlieferung von solarem Strom und einer um zwei Cent reduzierten EEG-Umlage – das sogenannte "solare Grünstromprivileg" – entfallen mit der Gesetzesnovelle komplett. Gegenüber dem Eigenverbrauch ist die Stromlieferung daher insofern benachteiligt, als in jedem Fall die volle EEG-Umlage fällig wird. Da allerdings die Reduzierung der EEG-Umlage auch bisher nur für den Solarstrom-Anteil und nicht für die gesamte gelieferte Strommenge galt, sind die Auswirkungen auf die Rentabilität der Stromliefermodelle von der Höhe des Solarstrom-Anteils abhängig. Insbesondere die direkte Belieferung von Industrie- und Gewerbebetrieben dürfte jedoch aufgrund der grundsätzlich günstigeren Netzstrombezugskosten von Unternehmen mit dem Wegfall des Grünstromprivilegs immer schwieriger wirtschaftlich darzustellen sein.

Allerdings ist eine Verordnungsermächtigung in Paragraf 95 Nr. 6 des EEG aufgenommen worden, die den Gesetzgeber zu einer gesonderten Grünstromvermarktung ermächtigt. Insofern ist es möglich, dass die Direktlieferung von Solarstrom in Zukunft wieder eine gesonderte Vergünstigung erhalten könnte.

Findet die Stromlieferung im selben Gebäude (Hausnetz) oder über eine eigene Direktleitung statt, entfallen wie beim Eigenverbrauchsmodell auch die Netznutzungsentgelte, an die Netznutzung gekoppelte Abgaben sowie Konzessionsabgaben. Dadurch ergibt sich künftig möglicherweise dennoch eine ausreichend hohe Rendite für bestimmte Projektkonstellationen mit einer Stromlieferung vor Ort, beispielsweise für das Mieterstrommodell, bei dem der Besitzer eines Hauses mit einer Dachflächen-Photovoltaikanlage oder ein anderer Anlagenbetreiber mit den Mietern einen Stromliefervertrag abschließt. Wird der Strom hingegen über ein Netz der öffentlichen Versorgung transportiert, werden auch beim Stromliefermodell sowohl diese Stromnebenkosten als auch grundsätzlich die Stromsteuer fällig. Auch für die Stromlieferung kann jedoch die Ausnahmeregelung des Stromsteuergesetzes greifen.

Fazit und Ausblick

Grundsätzlich wird es auch nach der Novellierung des EEG Möglichkeiten geben, Photovoltaik-Anlagen weitestgehend unabhängig von der gesetzlich garantierten Vergütung wirtschaftlich zu betreiben. Entscheidend für die Rentabilität wird bei tendenziell weiter steigenden Strompreisen die Vermeidung von Netzstrombezugskosten sein. Allerdings werden die Spielräu
me durch den Wegfall verschiedener Vergünstigungen deutlich kleiner. So werden durch das EEG 2014 künftig sowohl das Eigenverbrauchsmodell (durch die anteilige EEG-Umlage) als auch das Stromliefermodell (durch die volle statt der reduzierten EEG-Umlage) stärker an den Kosten des Gesamtsystems beteiligt als in der Vergangenheit.

Wird der Transport über das öffentliche Netz vermieden, können sich aufgrund des Wegfalls verschiedener Stromnebenkosten nach wie vor wirtschaftliche Vorteile im Vergleich zum Netzstrombezug ergeben. Insbesondere Eigenverbrauchsmodelle oder Stromlieferungen über das Hausnetz an Mieter oder über eine Direktleitung an Gewerbebetriebe oder öffentliche Einrichtungen haben daher auch in Zukunft eine Chance auf Rentabilität. Je nach Entwicklung der Marktsituation kann außerdem die Speicherung von Solarstrom bereits kurzfristig eine wirtschaftlich interessante Option zur weiteren Steigerung des Anteils an selbstverbrauchtem Strom und damit zur Vermeidung von Netzstrombezugskosten sein.

Da dennoch auch bei Eigenverbrauchs- oder Stromliefermodellen häufig zumindest ein Teil der produzierten Energie eingespeist werden muss, sind selbstverständlich auch künftig für diesen Teil des Stroms die Fördersätze des EEG (inklusive ihrer Degression) beziehungsweise die Erlöspotenziale aus der Vermarktung nach dem Marktprämienmodell in eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einzubeziehen.



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Hinweis der Herausgeber von LEXEGESE: Der Beitrag ist ursprünglich beim EnergieDialog.NRW erschienen und wird hier mit freundlicher Genehmigung der Autoren wiedergegeben. Den Originalbeitrag finden Sie hier.


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