Montag, 27. Oktober 2014

Kommentar: EU-Klimaverhandlungen ohne Strategiewechsel – World Forum Lille zeigt, globale Abkühlung ist machbar

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Am 23.10. sitzen wieder die EU-Regierungschefs in Brüssel zusammen, um einen Weg zum Klimaschutz zu finden. Und wieder gibt es keinen Strategiewechsel.

Festgehalten wird an der alten wirkungslosen Klimaschutzstrategie, die im Ergebnis im letzten Jahr zu einer globalen Rekordemission von Kohledioxid führte.

Festgehalten wird an schwachen Emissionsreduktionszielen von 30 oder 40 Prozent im Vergleich zu 1990, statt endlich eine emissionsfreie Wirtschaft anzustreben. Dabei muss man bedenken, dass, selbst wenn das Unwahrscheinliche eintritt und die Staatschefs eine 40%ige Emissionsreduktion bis 2030 beschließen, es immer noch erlaubt sein wird, 60% der klimaschädlichen Treibhausgase in eine bereits hochgradig überlastete Erdatmosphäre zu emittieren. 

Festgehalten wird an völlig wirkungslosen Klimaschutzmaßnahmen wie dem Emissionshandel, der bisher absolut nichts zum Klimaschutz beigetragen hat und sicherlich auch in Zukunft nichts beitragen wird, weil er eben strukturell völlig falsch angelegt ist.

Festgehalten wird am alten Energiesystem, in dem immer noch mindestens 70% oder gar 73% des europäischen Energieverbrauchs fossil/atomar erzeugt werden sollen, statt endlich das klare Ziel einer 100%igen Erneuerbare-Energien-Versorgung der EU anzustreben. Dies zementiert die Energieabhängigkeit der EU von Russland und anderen Lieferländern und führt zu einer weiteren geopolitischen Krisenentwicklung, wie man sie bereits in der Ukraine und im Irak verfolgen kann. 

Alle Bundestagsparteien, selbst in der Opposition, die deutsche Klimaschutzbewegung und sogar das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung halten an dieser alten wirkungslosen Klimaschutzstrategie fest. Sie fordern lediglich einige Prozentpunkte mehr Emissionsminderung oder eine größere Zahl von Emissionszertifikaten aus dem Handel zu nehmen. Diese Klimaschützer machen sich damit selbst zu einem Teil des Problems, weil sie eben keinen radikalen Wechsel in der aktuellen Klimaschutzdebatte einfordern.

Die neue Klimaschutzstrategie zur globalen Abkühlung dagegen fand auf dem mit über 2.000 Teilnehmern gut besuchten World Forum Lille in Frankreich große Resonanz (www.worldforum-lille.org). In meinem Redebeitrag zur Finanzierung der Energietransformation stellte ich die Finanzierungsmöglichkeiten für einen wirksamen Klimaschutz in den Mittelpunkt. In Lille konnte man in vielen Beiträgen über tolle Projekte aus aller Welt erkennen: Eine emissionsfreie Wirtschaft mit einer Kohlenstoffreinigung der Atmosphäre ist machbar. Hunderte Redner stellten dort ihre erfolgreichen Erfahrungen lokaler und nationaler Projekte vor – nicht nur im Klimaschutz, sondern insgesamt im Umweltschutz und der sozialen Verantwortung. 

Auf dem World Forum in Lille wurde wieder eines klar: Klimaschutz, Umweltschutz und soziale Verantwortung kommen von unten, von einer zunehmend aktiven und Verantwortung übernehmenden breiten weltweiten Bevölkerungsschicht und Unternehmerschaft; aber eben nicht von oben, wo die Regierungen nur das Geschäft der zwar wenigen, aber sehr mächtigen, umweltzerstörenden und ohne soziale Verantwortung agierenden Großkonzerne erledigen.

Berlin, den 23. Oktober 2014


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