Mittwoch, 24. September 2014

BVerwG - Kraftwerk Moorburg darf mit der geplanten Durchlaufkühlung vorläufig in Betrieb gehen

(LEXEGESE) - Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt (BVerwG) in Leip­zig hat mit Be­schluss vom 16. Sep­tem­ber 2014 (Az. 7 VR 1.14einen An­trag des Bun­des für Um­welt und Na­tur­schutz e.V. (BUND) auf An­ord­nung der auf­schie­ben­den Wir­kung sei­ner Klage gegen die der Vat­ten­fall Eu­ro­pe Ge­ne­ra­ti­on AG durch die Freie und Han­se­stadt Ham­burg er­teil­te was­ser­recht­li­che Er­laub­nis für das Stein­koh­le­kraft­werk Moor­burg an der Ham­bur­ger Süd­er­el­be ab­ge­lehnt. 

I. Sachverhalt

Das von Vat­ten­fall auf­grund einer be­stands­kräf­ti­gen im­mis­si­ons­schutz­recht­li­chen Ge­neh­mi­gung er­rich­te­te Kraft­werk soll im Wege der Durch­lauf­küh­lung unter Ent­nah­me von ma­xi­mal 64 m3 /s Elb­was­ser be­trie­ben wer­den; al­ter­na­tiv ist der Be­trieb mit­tels Kreis­lauf­küh­lung mit einer ma­xi­ma­len Ent­nah­me­men­ge von 1 m3 /s mög­lich. Die zur Was­ser­ent­nah­me er­teil­te, für so­fort voll­zieh­bar er­klär­te was­ser­recht­li­che Er­laub­nis ent­hält zahl­rei­che Be­schrän­kun­gen für Sau­er­stoff­man­gel­si­tua­tio­nen wäh­rend der Som­mer­mo­na­te bis hin zur Ein­stel­lung der Durch­lauf­küh­lung.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ham­burg hat die was­ser­recht­li­che Er­laub­nis auf die Klage des BUND hin wegen Ver­sto­ßes gegen das was­ser­recht­li­che Ver­schlech­te­rungs­ver­bot auf­ge­ho­ben, so­weit sie die Ent­nah­me und Wie­der­ein­lei­tung von Elb­was­ser zum Zweck der Durch­lauf­küh­lung be­trifft. Wäh­rend des an­schlie­ßen­den, von Vat­ten­fall und der Stadt Ham­burg an­ge­streng­ten Re­vi­si­ons­ver­fah­rens hat der BUND nach Auf­nah­me des Pro­be­be­triebs Eil­rechts­schutz be­an­tragt, um die für den Herbst die­ses Jah­res ge­plan­te Auf­nah­me des Re­gel­be­triebs mit­tels Durch­lauf­küh­lung zu ver­hin­dern.

II. Entscheidung

Über die­sen An­trag hat das BVerwG nun­mehr auf­grund einer In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­schie­den, die zu Las­ten des BUND aus­ge­fal­len ist: Die Er­folgs­aus­sich­ten des Rechts­streits in der Haupt­sa­che sind offen. Na­ment­lich lässt sich nicht ver­läss­lich ein­schät­zen, ob das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt das was­ser­recht­li­che Ver­schlech­te­rungs­ver­bot zu­tref­fend aus­ge­legt und an­ge­wen­det hat. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in einem an­de­ren Ver­fah­ren dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof Fra­gen zur Aus­le­gung die­ses Ver­bots vor­ge­legt, deren Klä­rung auch für die Be­ur­tei­lung der hier an­ge­grif­fe­nen was­ser­recht­li­chen Er­laub­nis be­deut­sam ist. Wie der Ge­richts­hof ent­schei­den wird, ist nicht ab­seh­bar. Bei der im Üb­ri­gen ge­bo­te­nen fol­gen­ori­en­tier­ten Ab­wä­gung über­wiegt das Voll­zug­s­in­ter­es­se von Vat­ten­fall ge­gen­über dem Sus­pen­siv­in­ter­es­se des BUND. Die mit dem Kraft­werks­be­trieb mit­tels Durch­lauf­küh­lung ver­bun­de­nen Ein­wir­kun­gen auf die Ober­flä­chen­was­ser­kör­per Hafen und Elbe West sowie auf Fisch­ar­ten, die unter die Schutz­zie­le von Na­tu­ra-2000-Ge­bie­ten im Be­reich der Elbe fal­len, wer­den nach sum­ma­ri­scher Prü­fung nicht so gra­vie­rend sein, dass bis zur vor­aus­sicht­li­chen Ent­schei­dung über die Re­vi­si­on ir­re­ver­si­ble Nach­tei­le ein­tre­ten. An­ge­sichts des­sen ist dem In­ter­es­se an der Auf­nah­me des Re­gel­be­triebs im Wege der Durch­lauf­küh­lung grö­ße­res Ge­wicht bei­zu­mes­sen als dem In­ter­es­se an der Aus­set­zung der Voll­zie­hung, da die dann al­lein zu­läs­si­ge Kreis­lauf­küh­lung jähr­lich mit Mehr­kos­ten im hohen ein­stel­li­gen oder gar im zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich ver­bun­den wäre und zudem einen er­höh­ten Aus­stoß von kli­ma­schäd­li­chem Koh­len­di­oxid nach sich zöge.

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