Montag, 24. März 2014

Kommentar: Die Schweiz fördert solaren Eigenverbrauch – Deutschland bremst

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Die Schweiz hat mit der Revision der Energieverordnung den Weg für den solaren Eigenverbrauch geebnet. Kleine PV-Eigenverbrauchsanlagen erhalten in Zukunft eine Einmalvergütung, die bis zu 30 Prozent der Investitionskosten beträgt (Quelle: http://bit.ly/OAWvPa). Dieses innovative Fördermodell für die erneuerbare Eigenstromerzeugung wird ausgerechnet von der Schweiz verabschiedet, die sich bislang in Sachen Solarstrom sehr restriktiv gezeigt hat.

Deutschland geht dagegen den umgekehrten Weg. Bundesminister Gabriel will den klimafreundlichen Eigenverbrauch finanziell unattraktiv machen, indem Unternehmen und Privatverbraucher in Zukunft für den selbst erzeugten und verbrauchten Strom aus erneuerbaren Quellen 70 Prozent der EEG-Umlage zahlen sollen.

Nicht nur die Erneuerbare-Energien-Branche, sondern auch Wirtschaftsverbände laufen seit Wochen Sturm gegen die geplante Zusatzbelastung. Nach Berechnungen des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) würden dadurch in der Jahresstromrechnung nur Einsparungen von 75 Cent pro Haushalt erreicht. Dem steht eine Verlängerung der Amortisationszeiten von PV-Anlagen auf über fünfzehn Jahre gegenüber, wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) errechnet hat. 90 Prozent der BSW-Mitglieder rechnen damit, dass dann sogar das magere politische Solarenergie-Ausbauziel von 2.500 MW verfehlt werden würde (Quelle:http://bit.ly/1oA77KQ).

Und es gibt auch verfassungsrechtliche Bedenken. Die Rechtsanwaltsgesellschaft Maslaton vergleicht die Belastung des erneuerbaren Eigenverbrauchs durch die EEG-Umlage mit dem für verfassungswidrig erklärten Kohlepfennig. Ebenso wenig wie damals für die Steinkohle habe die zur Belastung vorgesehene Gruppe der Eigenverbraucher von selbst erzeugtem Ökostrom heute keine besondere Finanzierungsverantwortlichkeit für die Klima- und Umweltschutzziele der Bundesregierung, zumal sie ja bereits im Sinne dieser Ziele handelt (Quelle: http://bit.ly/1hUQMO7).

Auch die Rechtsanwälte Dr. Thorsten Gottwald und Michael Herrmann aus Berlin vermuten, dass die Eigenverbrauchsbelastung aufgrund der Doppelbelastung der Eigenverbraucher durch Investitionskosten und EEG-Umlage gegen das Grundgesetz verstoßen könnte. Falls die EEG-Umlage-Pflicht für erneuerbaren Eigenverbrauch tatsächlich kommt, verspielt die Bundesregierung eine weitere kosteneffiziente Möglichkeit des Umstiegs auf 100% Erneuerbare Energien (Quelle: http://bit.ly/1jbVqGX).

Berlin, den 20. März 2014



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Hinweis der Herausgeber von LEXEGESE: Hans-Josef Fell ist ehemaliges Mitglied der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen, Autor des Entwurfs zum EEG 2000 und Präsident der Energy Watch Group (EWG).


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