Montag, 13. Januar 2014

Kommentar: Der weitere steile Ausbau der Erneuerbaren Energien wird Kohle zurückdrängen

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Der Anteil der Braunkohle an der deutschen Energieversorgung erreichte im Jahr 2013 mit 162 Terawattstunden ein neues Rekordniveau. Mehr Kohle wurde zuletzt 1990 – zur Zeit der Wende – verstromt. Wie passt das mit der Energiewende zusammen?

Viele Medien und Politiker suggerieren, das Rekordniveau der Kohlenutzung und der steigende CO2-Ausstoß seien eine direkte Folge des Atomausstiegs. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien wird in Frage gestellt, weil die durch den Einsatz der Erneuerbaren gewonnenen CO2-Einsparungen vom Kohleboom zunichte gemacht werden.

Was auf den ersten Blick plausibel erscheint, ist eine verkürzte Darstellung der Realität und auch nur eine Zwischenbilanz auf dem Weg zu einer Vollversorgung mit 100% Erneuerbaren Energien. Der steile Ausbau der Erneuerbaren Energien hat trotz des Abschaltens zahlreicher Atomkraftwerke dazu geführt, dass heute schon klimaschädliche fossile Kraftwerke stillstehen. Die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke, die Deutschland mit Energie versorgen, richtet sich nach den Kosten der Stromerzeugung (so genannte Merit Order). Insofern ist es nur natürlich, dass aufgrund der stark zunehmenden Einspeisung Erneuerbarer Energie zunächst die teuersten Kraftwerke abgeschaltet werden. Dies sind derzeit vor allem Gaskraftwerke. Wenn die Erneuerbaren Energien schnell genug ausgebaut werden, wird es in Zukunft auch die nächstteureren Stromerzeugungsarten treffen und so werden trotz des Atomausstieges zunächst die Steinkohle- und später auch die Braunkohlekraftwerke überflüssig sein. Die enorme Zunahme der Kohleverstromung ist also nur ein Übergangsphänomen, solange der steile Ausbau der Erneuerbaren Energien beibehalten wird.

Dass allerdings mit der Braunkohle die schmutzigste und klimaschädlichste Art der fossilen Stromerzeugung gerade einen Zwischenaufschwung nimmt und nicht die vergleichsweise effizienteren Gaskraftwerke, zeigt auf, dass der Emissionshandel nicht funktioniert. Denn gerade dieser sollte doch die Klima- und Umweltschädlichkeit in den Energiepreis integrieren. Durch den starken Ausbau der Erneuerbaren ist die politisch festgelegte zulässige Emissionsmenge schnell übererfüllt und die Zertifikatpreise sinken massiv. Da der Emissionshandel im Grundsatz massive Fehler aufweist, sollte an einem Instrumentenwechsel gearbeitet werden. Eine CO2-Steuer kann die von fossilen Energieträgern verursachten Schäden wesentlich wirksamer und verlässlicher kompensieren. Mit einer CO2-Steuer würde die Braunkohle parallel zum Ausbau der Erneuerbaren Energien wesentlich schneller ökonomisch unter Druck geraten und nicht nur die Gaskraftwerke.

Insofern ist die Strategie der großen Koalition, den Ausbau der Erneuerbaren Energien auszubremsen, aus Klimaschutzgründen genau der falsche Weg. Der steigende Anteil der Erneuerbaren drängt immer mehr fossile Kraftwerke zurück. Mit einer europaweiten CO2-Steuer käme auch der Export von Kohlestrom schnell unter Druck, was den Ausbau der Erneuerbaren Energien sogar noch zusätzlich beschleunigen würde.

Es zeigt sich, dass die entscheidende Klimaschutzmaßnahme nach wie vor der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist – in Verbindung mit Energieeinsparungen und einer CO2-Steuer. Die Pläne der großen Koalition zum Ausbremsen der Erneuerbaren Energien führen jedoch zusammen mit dem Atomausstieg zu einer stärkeren und weiteren Produktion von Kohlestrom zulasten des Klimaschutzes. Wirksamer Klimaschutz ist ohne einen raschen Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht möglich.

Berlin, den 10. Januar 2014




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Hinweis der Herausgeber von LEXEGESE: Hans-Josef Fell ist ehemaliges Mitglied der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen und Autor des EEG.
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