Montag, 23. Juli 2012

Großbritannien verschiebt erneut Entscheidung über Modalitäten der Zertifikatvergabe

Wie ein Sprecher des britischen Ministeriums für Energie und Klimawandel (Department of Energy and Climate Change, DECC) Anfang der Woche bekannt gab, wird die Entscheidung der Regierung über die "Renewable Obligation Certificates" (ROC) für den Zeitraum 2012 bis 2017 erneut vertagt. Mit einer Bekanntgabe der Neuregelungen für einzelne Technologien ist damit in jedem Fall erst nach der parlamentarischen Sommerpause zu rechnen. Ursprünglich sollte eine Entscheidung bereits im Oktober bekannt gegeben werden, scheiterte aber an Unstimmigkeiten über die Festlegung der Höhe eines ROC für die erzeugte MWh aus Wind- bzw. Photovoltaik-Projekten. 

Stefanie Winter / pixelio.de
Dieses Zögern der Regierung lässt sich darüber hinaus durch die angestrebte Energiemarktreform, der Electricity Market Reform (EMR), erklären. Die Förderpolitik des Landes basiert bisher auf dem Renewable Obligation-System (RO), einem marktpreisbasiertem Quotensystem, und einem Einspeisetarif für Kommunen und Verbraucher für Anlagen mit einer Kapazität von unter fünf MW. Ab 2013 soll nach dem bisherigen Gesetzesentwurf nun für den Strommarkt das so genannte Contract for Difference-Modell (CfD) eingeführt und das mit den Renewable Obligation Certificates verbundene „RO-System“ nach einer Übergangszeit ablösen. 

Das CfD-Modell soll sich zukünftig direkt nach dem aktuellen Marktpreis richten und dem Stromerzeuger bei niedrigen Preisen die Differenz zum garantierten Preis erstatten. Liegt der Marktpreis jedoch über dem garantierten Preisniveau, muss der Erzeuger im Gegenzug Abschläge in Kauf nehmen. Den Plänen zu Folge können auch Kernkraftwerke von dieser neuen Regelung profitieren. Eine weitere Säule des Energiekonzeptes ist der Ausbau des Kapazitätsmarktes. Rund 20 Prozent der derzeit bestehenden Kraftwerkskapazitäten werden in den nächsten zehn Jahren vom Netz gehen und sollen erneuert werden. Die neuen, grundlastsichernden Kapazitäten sollen vom Energieministerium koordiniert und versteigert werden. Zudem ist neben Emission Performance Standards (EPS) auch die Einführung einer Emissionssteuer vorgesehen.

Die ungewisse Förderpolitik für erneuerbare Energien und daraus resultierenden Planungsunsicherheiten stoßen bei Verbänden, Anlegern und Unternehmen gleichermaßen auf Unverständnis. Insbesondere geplante Offshore-Großprojekte könnten sich aufgrund der Unsicherheiten verzögern. Beobachter sehen darüber hinaus die Zielerreichung des offiziellen Ausbauziels für erneuerbare Energien von 15 Prozent bis 2020 als gefährdet.

Quellen und weitere Informationen: BBC News, Reuters, GTAIExportinitiative Erneuerbare Energien

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