Dienstag, 10. Juli 2012

Diskussion um Stromkosten verursacht Unsicherheit in der Wirtschaft

● Von Katharina Radloff, Berliner Informationsdienst zur Energiepolitik ● 

Eine Flut von wirtschaftsnahen Studien und Aussagen warnt momentan vor einer Explosion der Strompreise. Schuld daran seien der Atomausstieg und der Umstieg auf die erneuerbaren Energien in Deutschland. Es gibt aber auch Gegenstimmen, wie eine Studie im Auftrag von Greenpeace zeigt. Die Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben verglichen, wie sich zwei verschiedene politische Entscheidungen auf die Strompreise, den europäischen Stromhandel und die CO2-Emissionen auswirken: Die 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke und der seit 2011 geltende Atomausstieg. Die Studie zeigt darüber hinaus, welche Rolle die Energieeffizienzpolitik und der Emissionshandel spielen, um die Strompreise und die CO2-Emissionen unter Kontrolle zu halten. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der Atomausstieg nicht notwendigerweise zu höheren Preisen führt, insbesondere wenn der Stromverbrauch nicht ansteigt. Die Großhandelsstrompreise werden durch den Atomausstieg minimal steigen. Entscheidend für die Entwicklung des Strompreises ist aber eine wirkungsvolle Effizienzpolitik, die den Energieverbrauch stabil hält. Dann können die restlichen Kraftwerke die Nachfrage überwiegend befriedigen. Diese Effizienzpolitik kann den Preiseffekt des Atomausstiegs abfedern und mittelfristig sogar gegenüber der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke senken. Zudem sorge der Ausbau Erneuerbarer Energien dafür, dass sich die Strombörsenpreise trotz steigender Gas- und Kohlepreise kaum erhöhen werden. Für das Jahr 2030 deutet sich sogar ein Preisvorteil des Atomausstiegs an: Flankiert von Stromsparmaßnahmen werde die Kilowattstunde 6,5 Cent kosten, während der Preis bei weiter laufenden Atomkraftwerken und fehlender Energieeffizienz bei 7 Cent liege.

Trotzdem warnen Verbände der Wirtschaft mehrheitlich vor steigenden Stromkosten. Kurz nach der Einigung im Vermittlungsausschuss zur Kürzung der Photovoltaikförderung am 27.06.2012 (BID, 29.06.2012,http://goo.gl/WIrtm) kritisiert eine Studie der TU Berlin im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft die steigende EEG-Umlage. Für diese müssen die Stromverbraucher in Deutschland bis zum Jahr 2030 Kosten von deutlich über 300 Milliarden Euro tragen. Der Untersuchung zufolge wird – trotz der Kürzung der Subventionen für Solarstrom – die EEG-Umlage von derzeit 3,59 Cent pro Kilowattstunde auf etwa zehn Cent pro Kilowattstunde steigen. Auch eine Unternehmerumfrage des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft (BVMW), die am 04. Juli 2012 in Berlin vorgestellt wurde sagt aus, dass unter den kleinen und mittelständischen Unternehmen große Unsicherheit über die steigenden Stromkosten herrsche. Fast 90 Prozent der befragten Unternehmen erwarten höhere Energiekosten. Bei einem prognostizierten Anstieg der Energiekosten von zehn Prozent gaben 60 Prozent an, dass sie die eigenen Produktpreise erhöhen würden. Ein Drittel der Unternehmen würde sogar geplante Investitionen und Neueinstellungen zurückstellen. Nach den Berechnungen des Verbandes müsse mit einer Erhöhung der Strompreise um rund 50 Prozent bis 2030 gerechnet werden. 


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Anmerkung der Herausgeber: Der Beitrag ist ursprünglich am 4. Juli 2012 bei unserem Kooperationspartner "Berliner Informationsdienst zur Energiepolitik" erschienen.

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