Freitag, 22. Juni 2012

Norwegen und Deutschland einigen sich auf Seekabelverbindung

● Von Katharina Radloff, Berliner Informationsdienst zur Energiepolitik ● 

Bei einem Treffen des norwegischen Energieministers Ole Borten Moe mit Wirtschaftsminister Rösler am 21.06.2012 in Berlin haben sich beide darauf geeinigt, das Projekt Nord.Link, eine Seekabelverbindung von Norwegen nach Deutschland mit einer Kapazität von 1400 MW, zu realisieren. Die Verbindung soll mit Hilfe eines HGÜ-Kabels den Stromtransfer zwischen den zwei Ländern ermöglichen. Durch den Austausch soll die Versorgungssicherheit in Deutschland gestärkt werden und der Strompreis für Verbraucher und Unternehmen entlastet werden. Zudem kann Deutschland dadurch künftig auch norwegische Speicherkapazitäten nutzen. Nach langwierigen, intensiven Verhandlungen hat sich der norwegische Netzbetreiber Statnett hat nun entschieden, das erste Kabel bis 2018 nach Deutschland zu bauen, obwohl auch andere Länder wie zum Beispiel Großbritannien großes Interesse an einer Kabelverbindung zu Norwegen gezeigt hatten. Beide Länder, Grossbritannien und Deutschland wollen Norwegens Wasserkraftreservoirs als Stromspeicher nutzen, um Fluktuationen in der eigenen Ökostromerzeugung auszugleichen. Nun hat Deutschland das Rennen um das erste Kabel gewonnen, nach dessen Fertigstellung ein zweites Kabel wohl nach Großbritannien gebaut werden wird. Die Bauzeit des ersten Kabels von 600 km Länge wird ca. 3 Jahre betragen.

Die Einzelheiten der Finanzierung, die von Statnett sowie auf deutscher Seite vom Netzbetreiber TenneT und der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW getragen werden, sollen bis Ende September feststehen. Für den Kabelbau werden die Investitionskosten auf 1,5 bis 2 Milliarden Euro geschätzt. Aus Sicht der Bundesregierung handelt es sich um ein Schlüsselprojekt, so Stefan Kapferer, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Es gehört zu dem von den deutschen Netzbetreibern vorgelegten Ausbauplan, der bis Ende des Jahres zum Bundesbedarfsplangesetz erhoben werden soll.

Gespräche zwischen der Bundesregierung und der Norwegischen Regierung über die mögliche Realisierung eines solchen Projekts laufen bereits seit den Neunziger Jahren. Im BMWi wurde 2011 eigens eine Arbeitsgruppe mit Blick auf eine mögliche Nutzung ausländischer Speicherpotenziale im gemeinsamen Interesse mit Norwegen eingerichtet.


--------

Anmerkung der Herausgeber: Der Beitrag ist ursprünglich am 14. Juni 2012 bei unserem Kooperationspartner "Berliner Informationsdienst zur Energiepolitik" erschienen.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...