Freitag, 22. Juni 2012

Kommentar: Rio plus 20 Konferenz schafft erneut keine globale Transformation

Zur Zeit findet in Rio de Janeiro die UN-Konferenz Rio plus 20 zur nachhaltigen Entwicklung statt. Die Konferenz beleuchtet die zentralen Fragen des Planeten, so wie sie beim ersten Umweltgipfel in Rio 1992 bereits angegangen wurden. Es wurden zwar die richtigen Themen gesetzt, aber es gibt weder eine der Dramatik angepasste Analyse, noch werden Lösungsansätze hin zu einer globalen Transformation und Weg von der Erdölwirtschaft angedacht. In den drei zentralen Punkten Biodiversitätsverlust, Erderwärmung und Armutsbekämpfung hat sich die Entwicklung schon in den letzten 20 Jahren verschlimmert und nicht verbessert. So kann man vom Ergebnis her den Rio-Prozess schonungslos nur als Versagen bewerten.

Eine der Hauptursachen dafür war schon in Umweltgipfel 1992 angelegt. Es war die Denkweise, dass Entwicklung und Armutsbekämpfung nur mit Wirtschaftswachstum in der Art der weltweit verbreiteten Erdölwirtschaft gelingen kann. Der globale Energiesektor ist dafür bezeichnend. Natürlich brauchen Menschen in Entwicklungsregionen mehr Energie, um Armut überwinden zu können. Wer dieses mehr an Energie aber als mehr an fossiler Energie versteht, muss sich nicht wundern, wenn der CO2-Ausstoß und der Biodiversitätsverlust dramatisch steigen. Am Beispiel der Entwicklung Chinas in den letzten 20 Jahren ist dieser Fehler in aller Deutlichkeit abzulesen. Hätte schon Rio 1992 die richtigen Weichen gestellt, wie es damals viele gefordert haben, dass die Zunahme des Energieverbrauchs in Entwicklungsregionen nur mit nachhaltigen Erneuerbaren Energien bewerkstelligt werden darf, dann sähe die Welt heute anders aus. Wäre von Rio damals ein starkes Signal für die Erneuerbaren Energien ausgegangen, hätte die Technikrevolution die wir heute sehen, viel früher fahrt aufnehmen können. Wirksamer Klimaschutz und ein Aufhalten des Biodiversitätsverlustes hätten dann gelingen können.

Diesen Grundfehler von Rio 1992 zu beheben, wäre die Aufgabe von Rio 20 plus gewesen. Doch davon ist nichts zu sehen. Noch immer hält die Führungselite der Regierungen an der weiteren Nutzung der fossilen und atomaren Rohstoffe fest. Ein Paradigmenwechsel weg von der Erdölwirtschaft und hin zu 100 Prozent Erneuerbaren Energien, sowie einer erdölfreien Chemie und Landwirtschaft ist in den Regierungspapieren nicht zu erkennen. Eine Weltgemeinschaft die dermaßen fundamental an der Erdölwirtschaft festhält, sollte sich nicht wundern, wenn auch in den nächsten 20 Jahren Biodiversitätsverlust, Erderwärmung und Armut in der Welt weiter zunehmen.

Große Hoffnung liegen auf den dezentralen Lösungsansätzen in den Industrie- , Entwicklungs- und Schwellenländern zum Ausbau der Erneuerbaren Energien und einer nachhaltigen Landwirtschaft, welche in den letzten Jahren trotz weitgehender Missachtung durch Regierungsprogramme große Erfolge verzeichnen konnten. Wenn sich diese Entwicklung beschleunigt fortsetzt, wird sich zeigen, dass, trotz des Versagens der Weltregierungskonferenzen, eine Transformation weg von der Erdölwirtschaft und hin zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, die auf Erneuerbaren Energien und Rohstoffen fußt, möglich ist.


Berlin, den 22. Juni 2012

Ihr Hans-Josef Fell MdB

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